8. September 2006
Domain-Trend - Der Aufstieg der ccTLDs
Frueher, ja frueher. Da war alles viel einfacher: man hat sich
seine .de- oder .com-Domain registriert, und fertig. Nur die
ganz Mutigen haben es unter .net oder gar unter .org probiert.
Und jetzt? Waehrend ICANN wieder mal ueber die Einfuehrung ein-
zelner neuer generischer Endungen wie .health oder .shop de-
battiert, tauchen Laender wie Schweden (.se), China (.cn), die
USA (.us) und demnaechst auch Spanien (.es) auf, um die Vergabe-
bedingungen fuer ihre Laenderkuerzel (ccTLDs) zu liberalisieren.
In vielen Faellen werden dabei nicht nur die Huerden fuer Inlaen-
der gesenkt; fuer “Auslaender” wird die problemlose Registrie-
rung oftmals ueberhaupt erst moeglich.
Doch damit stellen sich auch neue Herausforderungen: je mehr
Laender die freie Registrierung ihrer Domains ermoeglichen, des-
to selbstverstaendlicher wird ein inlaendischer User ein Unter-
nehmen nicht unter .com, sondern hinter der jeweiligen Laender-
endung vermuten. So ist es etwa fuer Oesterreicher ganz selbst-
verstaendlich, ein globales Unternehmen wie die deutsche Siemens
AG nicht unter siemens.de, sondern unter siemens.at zu erreichen.
Und wer in Frankreich Elektronikprodukte vom hollaendischen Her-
steller Philips sucht, wird sein Glueck zunaechst nicht unter
philips.com oder philips.nl versuchen, sondern schon allein aus
sprachlichen Gruenden unter philips.fr. Jede ccTLD dient damit
quasi als virtuelle Praesenz oder Filiale vor Ort, und wird bei
der Suche vom nationalen Markt bevorzugt.
Analysiert man etwa die Eintraege aktiver Webseiten in der Such-
maschine Google nach der Anzahl an ccTLDs, so fuehrt weltweit
erwartungsgemaess .com vor .de, .org und .net. Ueberraschender-
weise folgen dann bereits .jp, .uk, .ru und .it. Dagegen liegt
.info sogar noch hinter der schweizer Endung .ch. Erklaeren kann
man das zunaechst mit dem Umstand, dass .info erst seit gut 18
Monaten zu erhalten ist. Dennoch verdeutlicht dies, dass Laen-
derendungen eine immer bedeutendere Rolle spielen.
Fuer das Marketing eroeffnen ccTLDs neue Chancen: durch eine auf
die nationale Zielgruppe zugeschnittene Werbung unter der je-
weiligen Laenderendung koennen einzelne Produkte gezielt bewor-
ben werden. So kann etwa ein Hersteller von Mobiltelefonen im
SMS-begeisterten Deutschland mit Zusatzfunktionen wie stark
verbesserter Worterkennung werben, unter der japanischen En-
dung .jp dagegen mit dem Download populaerer Spiele und Comics,
ueber deren Begeisterung man in Deutschland nur den Kopf schuet-
teln wuerde. Eine der leichtesten Moeglichkeiten, einen neuen
Markt zu erschliessen, ist es somit, ein Teil davon zu werden.
Und der erste Schritt dazu ist die Registrierung einer ccTLD.
Zweifellos beginnt mit dem Schritt weg von gTLDs hin zu den
ccTLDs eine neue Epoche in der Domain-Geschichte, die erheb-
liche Auswirkungen auf die Registrar-Branche und den Bereich
des Domain-Handels mit sich bringen wird. Und auch fuer Inhaber
von Markenrechten heisst es mehr denn je, ein wachsames Auge
auf die weltweiten Domain-Entwicklungen zu haben.
Eine Graphik zur Verteilung von ccTLDs bei Google finden Sie
unter:
http://chart.info/stats2.htm
Eine Liste aller offiziellen ccTLDs sowie die zustaendigen
Vergabestellen finden Sie unter:
http://www.iana.org/cctld/cctld-whois.htm
Quelle: eigene Recherche, dnjournal.com
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Quelle des Artikels : Domain-Newsletter #152 von domain-recht.de
Weitere Informationen unter: http://www.domain-recht.de und http://www.united-domains.de